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Sehr geehrter Herr Staatssekretär Sutcliffe!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Es ist mir eine große Freude, Sie: politische Vertreter/-innen, Vertreter/-innen von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden, Familienverbänden, NGOs, aus Wirtschaft, Interessensvertretungen und Experten aus über 33 europäischen Ländern zur Konferenz „Demografische Herausforderungen – Familie braucht Partnerschaft“ in Wien begrüßen zu dürfen. Das Thema der demografischen Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung war zuletzt Thema beim Treffen der Regierungschefs in Hampton Court, welche die demografische Entwicklung als künftige soziale und wirtschaftliche Entwicklung Europas als (größte) Herausforderung.
Situation, wie sie sich darstellt:
Verlängerung der Lebenserwartung, starker Anstieg der Anzahl über 60-jähriger Menschen und anhaltend geringe Geburtenrate. Laut Bevölkerungsprognosen von EUROSTAT dürfte der Anteil der 0-40-jährigen Menschen an der Gesamtbevölkerung um etwa 25% zurückgehen. Die Zahl der 65- bis 79-jährigen soll um 44%, jene der über 80-jährigen sogar um 180% zunehmen. Die Fruchtbarkeitsziffer liegt in allen Mitgliedstaaten unter der für die Erneuerung einer Generation nötigen Schwelle von 2,1 Kinder pro Frau; in vielen Mitgliedstaaten ist sie sogar unter 1,5 Kinder pro Frau gefallen. Diese Unterjüngung der Gesellschaft hat Konsequenzen für das europäische Gesellschafts- und Lebensmodell.
Das Grünbuch der Kommission vom März 2005 verweist auf weitreichende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Prognosen zufolge könnte uns eine alternde Gesellschaft in Europa jährlich einen Prozentpunkt an Wirtschaftswachstum kosten. Aber auch die Veränderungen am Arbeitsmarkt, den Sozialschutzsystemen, den Familienstrukturen und das Verhältnis der Generationen zueinander werden im Grünbuch erläutert.
Als vorrangige Prioritäten werden deshalb vorgeschlagen:
Die Kommission hat zudem für das erste Quartal 2006 eine Mitteilung über die demografische Herausforderung angekündigt. Diese Mitteilung soll die Ergebnisse der umfassenden Konsultation, die durch das Grünbuch gestartet wurde, verarbeiten und daraus entsprechende Schlussfolgerungen ziehen. Ich nehme an, dass Kommissar Špidla uns heute am Nachmittag über die wichtigsten Aussagen dieser bevorstehenden Mitteilung berichten wird.
Familienpolitik fällt in den Kompetenzbereich der Mitgliedsstaaten, aber Anknüpfungspunkte im Bereich der Beschäftigung, sozialen Sicherheit oder dem europäischen Jugendpakt sind vorhanden.
Der österreichische Vorsitz möchte mit dieser Konferenz eine begonnene Initiative fortsetzen (Dublin, Berlin) und einen Beitrag zu dieser wichtigen und notwendigen Diskussion auf europäischer Ebene liefern. Ergebnisse dieser Konferenz sollen in den neuen europäischen Lissabon-Prozess einfließen.
Der österreichische Schwerpunkt liegt dabei auf der Stärkung der Familie, als zentrale Herausforderung, um dem demografischen Wandel erfolgreich zu begegnen. Familie ist Partnerschaft innerhalb der Familie (Väter) und Familie braucht Partnerschaft: mit der Wirtschaft, den Regionen und der Öffentlichkeit. Familien sind der Schlüssel für die Zukunft auch und gerade in Fragen der Generationensolidarität.
Vielfältige, nachhaltige Konzepte für und mit den Familien sind notwendig, um die Sicherung der Zukunft und den sozialen Zusammenhalt in Europa auch weiterhin gewährleisten zu können. Konzepte wie finanzielle Abgeltung von Leistungen, soziale Absicherung von Dienstleistungen und familienorientierte Arbeitswelt. Jedes Mitgliedsland muss ein starkes Interesse an Familien mit Kindern haben.
In Österreich sind Tradition und Bedürfnis der Eltern, ihre Kinder insbesondere in den ersten Lebensjahren in der eigenen Familie betreuen zu können, besonders stark ausgeprägt. Die Förderung der Entscheidung und Verantwortung beider Elternteile für Kinder gehört zu den vorrangigen Zielen.
Natürlich sind hier immer mehr auch die Väter gefragt. Das starke Engagement von Vätern in der Familienarbeit und insbesondere der Kindererziehung entspricht dem Bedürfnis und Verantwortungsgefühl der jungen Väter von heute.
Insbesondere die Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf spielt eine wichtige Rolle für Mütter und Väter. Nur so können beide Elternteile die Kindererziehung, aber auch die Pflege älterer Angehöriger mit einem erfüllten Berufsleben verbinden.
Viel wäre in demographischer Hinsicht erreicht, könnte die Kluft zwischen der in den Familien gewünschten Zahl von 2,3 Kindern und der tatsächlich realisierten Kinderzahl von 1,5 Kindern verringert werden.
Wir sind hier zusammengekommen, um Erfahrungen und best practice auszutauschen zur Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben. Wir können viel voneinander lernen, ohne auf nationale Stärken verzichten zu müssen. Die Vielfalt Europas drückt sich auch in unterschiedlichen Zugängen und familienpolitischen Schwerpunkten aus.
Ein gemeinsames Ziel verbindet uns: Politik für Familien verlangt noch übergreifende Zusammenarbeit aller gesellschaftlicher Bereiche.
Ich möchte mich nochmals bei Ihnen für Ihr Kommen bedanken, wünsche Ihnen eine interessante Konferenz und einen angenehmen Aufenthalt hier in Wien und freue mich auf spannende Diskussionen.<